Thales 14 und Thales 22

Quellnachweis: Berliner Morgenpost, von Karsten Zegenhagen

Kleine Klassiker für alle

Ganz aus Holz: Die Gaffelsegler kehren zurück - zu erschwinglichen Preisen für jedermann

Traditionell muss nicht immer gleich teuer sein. Dies beweist die Geschichte zweier Berliner, die Gaffelsegler in Tschechien bauen, dann nach Deutschland importieren und damit ein Stück Schifffahrtsgeschichte wieder aufleben lassen.

Zufrieden dreht Julian Sarfert mit einer kleinen Bewegung am Ruderrad den Kielschwerter „Thales 22" in den Wind, holt die Segel ein und startet den Elektromotor. Fast unhörbar schnurrt das Gafel-Kat-Boot in den Hafen des Berliner Yacht Clubs und legt sich neben seine Schwesterjolle, die „Thales 14". Eine neue Bootsfamilie?

„Ganz genau - zur nächsten Saison wird auch noch die Thales 30 fertig, ebenfalls ein Gaffel-Kat-Kielschwerter. Der wird allerdings seetauglich." Die Vorfreude in der Stimme von Julian Sarfert ist nicht zu überhören. Denn solche Boote hat er sich für Berlin immer gewünscht, jetzt hat er sie selbst gebaut - denn die regional-typischen Jollenkreuzer sterben langsam aus, davon ist zumindest Sarfert überzeugt: „Die alten Holzschiffe sind oft rott, die Schwertaufhängungen der Stahlschiffe durchgerostet und Restauration oft immens teuer. Neue fahrtentaugliche Boote im traditionellen Stil, Boote, die die Menschen ansprechen, die leicht zu Segeln und für unsere Gewässer geeignet sind, sind hingegen rar", sagt Sarfert. Mit der Jolle „Thales 14" und den Kielschwertern „Thales 22" und „Thales 30" bietet der 41-Jährige nun eine kostengünstige Alternative. Dabei werden die Schiffe vollständig aus Bootsbausperrholz hergestellt, bieten aber Anmut und Aussehen wie Jollenkreuzer.

Der Bayer Julian Sarfert segelt seit frühester Jugend. Wahrend der Abiturzeit hat er sich sein erstes Cat-Boot gebaut. An der TU Berlin studierte er Betriebswirtschaft und traf dort den Schiffsingenieur Ralf Overberg. Beide fanden sich auf einer Wellenlänge mit ihrer Vorliebe für traditionelle Schiffe und der Leidenschaft, Boote zu bauen. Der Cat-Boot-Typ nach amerikanischem Vorbild war für sie das ideale Schiff. In Tschechien übernahm Sarfert vor nunmehr zwei Jahren schließlich einen kleinen Bootsbaubetrieb 20 Kilometer südlich von Budweis, dort werden jetzt seine traditionellen Boote nach Rissen von Overberg gebaut. Edelstahlteile werden dazu im eigenen Betrieb hergestellt, eine Segelmacherei derzeit eingegliedert.

Entspanntes unkompliziertes Segeln steht dabei bei allen Modellen der „Thales"-Reihe im Vordergrund. Das erste Modell, die „Thales 22" für einen Preis von 19.900 Euro, wurde mit kleiner Kajüte, großem Cockpit mit Baumzelt und kleinem Achterdeck Vorbild für die ganze Reihe: Als Wanderboot ist es autark mit Kocher, Druckwasser und mit Chemieklo ausgestattet. Mit 400 Kilogramm Ballast ist der Kielschwerter selbst aufrichtend, darüber hinaus ist er auch küstentauglich. Diese erste Version hat einen Elektromotor, andere Versionen - wie etwa ein Außenborder im Schacht - sind möglich. Das Mastlegen ist dabei ein Kinderspiel, denn der kurze Mast ragt gelegt nicht übei das Boot hinaus. Wegen des Besanmastes ist allerdings keine Pinne möglich, dafür lässt sich das Steuerrad mit Direktantrieb und anderthalb Umdrehungen von Steuerbord nach Backbord recht feinfühlig bedienen.

Aus einer Anfrage nach einer unkomplizierten, preiswerten Wanderjolle entstand schließlich die „Thales 14" (Preis zirka 8.000 Euro). Sie ist eine kat-getakelte hölzerne Schwert-Jolle mit Teakdeck und Schlupfkajüte. Zum Boot wird ein spezielles Baumzelt mit 1,60 Meter Stehhöhe geliefert, um auf dem Boot übernachten zu können.

Nicht zuletzt: Der seetaugliche Kielschwerter „Thales 30" (Preis: 39.900 Euro) wird zur nächsten Saison fertig. Er ist eine verlängerte Version der 22er, mit 2,50 Meter Breite aber noch gut trailerbar. Gebaut nach denselben Prinzipien, was heißt: selbstlenzendes Cockpit, leicht zu bedienen und zu trimmen, durch kleine Segelflächen einhandtauglich.

Mit durchgeholtem Besan bleibt das Schiff beigedreht am Wind, so kann der Skipper ungestört arbeiten. Mit vier Kojen, Pantry und Toilettenraum bietet die „Thales 30" allerdings deutlich mehr Komfort als die 22er. Und: Für den richtig weiten Törn hat Sarfert dann auch noch ein Dickschiff im Programm: Der "Pilot-Cutter 30" ist mit 6,5 Tonnen ein ganz anderes Kaliber. Das hochseetüchtige Schiff aus Sperrholz auf Eiche ist für zirka 100.000 Euro zu haben.